Gibt es eine Wochenbettdepression bei Vätern? Vielleicht nicht im diagnostischen Sinne einer postparatalen Stimmungskrise oder Schlimmeres. Aber im Sinne der plötzlichen Erkenntnis, dass nichts mehr so wird wie zuvor. Dass es vorbei mit der Leichtigkeit und Freiheit im Leben ist

Gibt es eine Wochenbettdepression bei Vätern? Vielleicht nicht im diagnostischen Sinne einer postparatalen Stimmungskrise oder Schlimmeres. Aber im Sinne der plötzlichen Erkenntnis, dass nichts mehr so wird wie zuvor. Dass es vorbei mit der Leichtigkeit und Freiheit im Leben ist

Klar, die Horrormärchen von schlaflosen, durchschrienen Nächten, stündlichem Füttern innerhalb einer halbe Tiefschlafphase, die bekommt man bereits vorgeburtlich aufs Brot serviert. Doch die Realität ist anders.

Der neugeborene Zwerg trampelt gnadenlos auf dem gewohnten Tagesablauf herum, noch bevor er mehr kann als mit den Beinen zu strampeln. Die täglichen Pausen, Ablenkungen, das tägliche Arbeiten, Dinge, die man zwischendurch erledigt – sie sind nicht mehr möglich.

Ende der Leichtigkeit und falscher Erwartungen

Und just in diesem Moment wird einem auch als Vater klar, dass das alte, doch recht angenehme Leben mit seiner Leichtigkeit verschwindet. Abschalten vor dem Rechner, Binge-Watching der neuen Serie, ein Buch lesen, in Ruhe zu Abendessen – alles dehnt sich, zieht sich hin, wird unmöglich. Dein altes Leben ist vorbei. Es kommt auch nicht wieder.

Vielleicht liegt es an falschen Erwartungen. An der Vorstelllung, dass man das Kind, Arbeit und Freizeit schon unter einen Hut bekommt. Wenn man beruflich etwas kürzer tritt, klar, man nimmt ja als moderner Papa auch einen Tag frei, wenn es sich ermöglicht. Dass man vielleicht sogar mehr Zeit hat, für einen Papablog, oder einen Satireblog. Oder mehr Meinungsbeiträge schreibt, im eigenen Blog oder auf Bundesstadt.com. Oder gar mit dem Kleinen die sich verändernde Cafeszene der Region aufmischt. Stattdessen gibt es Milchkaffee aus Eigenproduktion, PC-Spiele kauft man, um sie vielleicht irgendwann zu spielen, und man überlegt, Netflix zu kündigen.

Und die Facebook-Partyeinladungen, die legt man geflissentlich ad acta. Selbst wenn die Frau zuhausebliebe mit dem Zwerg, ist man nach 48 neuen kolikenschreigeschwängerten Stunden zu müde, um die Wohnung zu verlassen.

Wichtige Pausen

Einfach mal ein paar Stunden abschalten. Schlafen gehen. Gerade in den ersten Wochen sollte man sich als Paar Freiräume schaffen. Dass jeder einmal schlafen kann. Dass man mal für zwei Stunden etwas anderes macht als das Kind. Man muss nicht gemeinsam jede Windel wechseln.

Was einfach klingt, ist es nicht, denn Nachwuchs ist ja inzwischen ein gemeinsames Projekt.

Die Freiheit kommt nicht wieder

Und man muss sich klar werden: Das alte Leben ist erst einmal vorbei. Auch wenn man, mehrheitlich als Mann, meist die Möglichkeit hat, schnell wieder ins Berufsleben abzutauchen und die Ruhe zu genießen, sich auf Projekte zu konzentrieren – trotz Übermüdung.

Doch die Freiheit, auch einmal abends wegzugehen, ohne sich weitergehende Gedanken machen zu müssen, ob man wirklich abgeschlossen hat; diese Freiheit ist erst einmal futsch. Und diese neue Realität kommt dann doch unerwarter, als man es sich im Vorfeld ausgemalt hat. „Wird schon irgendwie laufen“ wird verdammt schwieriger umzusetzen als gedacht.

Categories: Gedanken

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