Als Zwerg seinen Vater beim Arztbesuch verriet

Plötzlich schrie der Zwerg. Und zwar nicht so, wie er gewöhnlich schreit, zwischen 17 und 23 Uhr. Sondern am Spieß, hysterisch als ob man ihn abstechen wollte. Wollten wir ja nicht, aber er schrie dennoch laut und schrill. Auch um Mitternacht noch, und um zwei Uhr. Sobald man ihn ablegte, ging es wieder los.

Wir sind ja viel gewohnt, vorallem in Richtung abends, wenn der Kleine wieder seine verrückten acht Stunden hat. Aber das war schon harter Tobak, und so bekam er gegen vier das Fieberthermometer. 38,5 Grad zeigte es an, Fieber.

Zwerg hatte schon die gesamte Woche erhöhte Temperatur, beide Eltern die Grippe, aber eigentlich war alles wieder normal gewesen. Sein krachender Husten war weg, die Nase fast wieder frei und die Eltern stolz, nicht zum Arzt gerannt zu sein. Am frühren Abend hatte er sogar nur 36 Komma irgendwas gehabt. Jetzt hatte er schlagartig leichtes Fieber bekommen und schrie, als ob das Höllenfeuer auf ihn wartet.

Ab zum Arzt

Als er um sechs Uhr noch vor sich hin schrie und wimmerte, während die Eltern todmüde rumschlurften, war klar, dass wir zum Arzt gehen müssen. Mühsam und heulend zogen wir ihm die dicke Winterkleidung an; über Nacht war es plötzlich arktisch in Bonn geworden, und das im März. Wimmernd trug ich den Kleinen zum Arzt, im Verdacht hatte ich wieder das Ding in in seinem Bauch, dass ihn bereits die letzten fünf Monate hatte schreien lassen und der Arzt als normal abtat.

Beim Arzt erklärte ich zombiesk den Vorfall, und alles, was die Sprechstundenhilfe hörte, war das Wort Fieber, worauf sie fragte, warum wir nicht einfach ein Fieberzäpfchen gegeben haben. Ich sah sie verwirrt an, mein Medizinstudium hatte ich nicht angefangen, und warum ich mein Kind mit Medis vollstopfen bei leichtem Fieber sollte, das erschloss sich mir nicht.

Im Wartezimmer, dass ich mit dem Gefühl des bevorstehenden Daueraufenthalts betreten hatte, fing Zwerg an zu murren und schreien. An Ablegen war nicht zu denken, nur auf der Schulter blieb er ruhig.

Der Verräterzwerg auf dem Untersuchungstisch

Früher als gedacht ging es zum Arzt. Und während ich den kleinen entkleidete, war klar, von welchem Wesen der Verräterzwerg ist:

Er lächelte den Doktor an.

Blitzschnell versuchte er, das Stethoskop zu greifen, gluckste und gab stolz seinen neuen Lieblingslaut „brrruuuh“ zum Besten. Fassungslos starrte ich Zwergnase an. Mehr und minder brav ließ er die Untersuchungen über sich ergehen. drehte und quietschte etwas. Ich schämte mich, da zu sein, beim Arzt, und versuchte verzweifelt zu erklären, dass nicht das mickrige Fieber der Grund für meinen Besuch war, oder das bisschen Schleim in seinem Hals und der Nase des Zwergs. Sondern an dem Schrei eines Kindes, dass vermutlich tödlich verletzt gewesen war.

Mit ein paar Medis im Gepäck trollten wir uns nach Hause. Zwerg spielte den Tag und lachte, und ich zischte Verräterkind dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie kommentieren, speichern wir die IP-Adresse, den Nutzernamen, die e-Mail-Adresse, sonstige von Ihnen eingegebene Daten und den Zeitpunkt der Erstellung. Diese Daten werden aus Sicherheitsgründen erhoben. Mehr dazu in den Datenschutzhinweisen