Was bedeutet es, Vater zu werden? Vor allem eine große Ungewissheit. In vielerlei Hinsicht ist es schwer zu kontrollieren. Auch wenn man vieles im Leben im Freiflug organisiert, bedeuten die Schwangerschaft Blindflug. Man kann zwar ein Baby machen, biologisch gesehen recht einfach sogar und vergleichsweise mit den nächsten Monaten recht schnell. Doch was dann in den nächsten Dutzend Wochen geschieht, darauf hat man keinen Einfluss.

Ist alles im grünen Bereich? Ist es normal, dass sich die Frau ständig übergibt, oder schon gefährlich? Hat der Nachwuchs drei Augen und ist ein Tintenfisch?

Selbst das erste Ultraschallbild zeigt nicht mehr als einen potentiellen Teigklumpen und Blutwerte sind nur Indizien. Vielleicht hat es die Natur gewollt, dass man sich darauf einlassen muss, oder es als Vater auch ignorieren kann, denn man selbst sieht ja nichts von außen.

Was aber kommt, sind neue Gedankengänge. Als plötzlich die 0228/287… auf der privaten Nummer im Smartphone aufleuchtete, während man gerade in einer Veranstaltung saß, filmend, da brach Hektik im Hirn aus. 287, das weiß man als mehrjähriger Lokalreporter, das ist die Uniklinik Bonn. Warum sollten sie von sich aus bei dir anrufen, wenn nicht etwas schlimmes passiert ist? Ein Unfall? Mit der Frau?

Die Uniklinik ist groß, das online erfasste Nummernverzeichnis ein ungeordnetes Konvolut vielseitiger Zahleneingaben, bei dem nicht einmal Google eine klare Antwort zu liefern vermag. Leise schlich ich aus dem 40 Quadratmeter großen Raum, gefüllt mit 35 Menschen, die entsprechende Aufmerksamkeit auf mich ziehend. Die Nummer war bereits gewählt.

„Guten Tag“, antwortete die Dame am anderen Ende. Sie hätte mich nur wegen des Pressefrühstücks am nächsten Morgen anrufen wollen, und ich antwortete ihr voller Erleichterung, und speicherte erst einmal die Nummer ab.

Auf diese Ungewissheit muss man sich einlassen.  Man kann es auch nicht wirklich beeinflussen, als Vater schon gar nicht. Der gemeinsame Speiseplan wird gesund gehalten, auf gemeinsamen Stress wird verzichtet. Klassische Musik und eine Auswahl der Rockmusikgeschichte.

Vielleicht hat die Natur es ja bewusst so eingerichtet, damit man als Elternpaar bereits in der Kunst des Wartens und kreativen Kontrollverlusts geschult wird. Man gibt Entscheidungsgewalt ab an einen Ungeborenen, der wenige Wochen später sowieso macht, was er will, vor sich hin tritt und turnt, ohne dass erzieherisch eingreifen kann.

Man muss sich an die Hoffnung halten. Hoffnung, dass alles schon irgendwie gut ist. Warum sollte es auch nicht? Und wenn nicht, dann muss man damit klar kommen, in guter Hoffnung.

 

Categories: Featured Gedanken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn Sie kommentieren, speichern wir die IP-Adresse, den Nutzernamen, die e-Mail-Adresse, sonstige von Ihnen eingegebene Daten und den Zeitpunkt der Erstellung. Diese Daten werden aus Sicherheitsgründen erhoben. Mehr dazu in den Datenschutzhinweisen